
BAND 1
Emely und die Lichtstation
Emely entdeckt, dass ihre Bilder mehr zeigen als nur Fantasie. Aus ersten Begegnungen mit den Lichtwesen entsteht eine Verbindung zwischen ihrer vertrauten Welt und etwas, das bisher verborgen war.
DIE BÜCHER
„Emely und die Lichtstation“ erzählt vom Beginn ihrer Begegnungen mit den Lichtwesen. In „Emely und die Verbündeten“ wird ihre Welt grösser und verbindet Erde, Wesen und Kosmos.
Entdecke die beiden Hardcover-Ausgaben, lies eine Leseprobe und beginne die Reise in Emelys Welt.
Zu den Büchern
BAND 1
Emely entdeckt, dass ihre Bilder mehr zeigen als nur Fantasie. Aus ersten Begegnungen mit den Lichtwesen entsteht eine Verbindung zwischen ihrer vertrauten Welt und etwas, das bisher verborgen war.

BAND 2
Emelys Welt wird grösser. Neue Wesen, die Erde und der Kosmos rücken näher zusammen, und aus einzelnen Begegnungen entsteht ein immer dichteres Netz von Verbündeten.

DIE REIHE
„Emely und die Lichtstation“ ist der Beginn der Reise. „Emely und die Verbündeten“ führt sie weiter und öffnet Emelys Welt noch stärker zur Erde, zu neuen Wesen und zum Kosmos.
Wer Emelys Geschichte von Anfang an erleben möchte, beginnt mit Band 1.
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Die Bücher sind ein Teil von Emelys Welt. Entdecke auch ihre Wesen, Orte und die Geschichten, die alles miteinander verbinden.
Danke, dass du Emely ein Stück auf ihrer Reise begleitest.
LESEPROBE
Emely stand auf der kleinen Trittleiter vor dem Fenster. In einer Hand hielt sie ihr farbiges Stoffraupentier, das viel länger war als sie selber. Mit der anderen Hand umfasste sie einen Teil des großen Teleskops.
Ihre Augen leuchteten, als sie die vielen Sternenbilder sah, die durch das Riesenloch des Teleskops ganz nah erschienen. Still war es im großen Haus. Ihre Mutter schlief schon. Emely befand sich im Dachgeschoss. Sie vermisste ihren Vater, der als Astronom zurzeit auf geschäftlichen Reisen war. Bis er wieder kam, durfte sie auch ganz alleine in sein Reich, das er sein Sternenstaubzimmer nannte. Die Geschichte, dass Sterne im All zu Staub zerbröckeln, war eine von vielen, die ihr Vater ihr erzählte.
Hier standen am Fenster viele verschiedene Teleskope. Mit ihren jungen zehn Jahren konnte sie die sieben hellsten Sterne sehen, die nachts am Himmelszelt den großen Wagen bildeten. Auch den großen Bären, den Kleinen Hund und noch viel mehr da draußen im Universum sah sie. Sie kannte die Namen von allen bekannten Planeten, auch deren zwölf Tierkreiszeichen. Stundenlang konnte sie sich mit ihrem Vater im Sternenstaubzimmer amüsant unterhalten und philosophieren. Er erklärte ihr, dass man sich über das Universum in Gedanken sehen konnte. Die Distanzen seien nicht relevant im Leben, sondern der Gedanke alleine zähle, den jeder gegenseitig auf sich trage und dem anderen zuschicke.
Emely sah die schwarze Nacht und das Funkeln der kleinen und großen Sterne. Ob ihr Vater wohl gerade an sie dachte? Sie kletterte die Trittleiter hinunter. Einmal
mehr sah sie sich im Zimmer ihres Vaters um. Galaxien-, Planeten- und Sternenbilder hingen quer hindurch an den Wänden. Überall sah sie Zahlen, Rechnungen, Messwerte und eben die vielen Sternengucker. Durch den einen Blick hindurch war ein Stern ganz nah oder auch ganz weit weg im All.
Hier fühlte sie sich sehr wohl in der Nacht. Es gab eine kleine Hängematte mit Kissen und Decken, die zwischen den großen Fenstern hing. Emely kuschelte sich fest in die feingewobenen Fäden hinein. Sie trug nur das zarte, geblümte Nachthemd aus Spitzen, das ihre Großmutter für sie genäht hatte. Sophie, ihre Labradorhündin, legte sich unter die Hängematte und schlief gleichzeitig mit ihr ein.
Die Stimme ihrer Mutter hallte in ihren zarten Ohren, als Emely erwachte. Schnell hüpfte sie aus der Hängematte und rannte die Treppen im Haus hinunter. Ihre Mutter stand im Flur, eigentlich war sie schon fast am Gehen. Mit einem Satz sprang Emely in ihre Arme und umarmte sie am Hals. Sie liebte ihre Mutter über alles.
„Das nächste Mal nehme ich dich wieder mit, Emely“, vertröstete sie das Mädchen.
„Wann ist das nächste Mal?“, fragte Emely unter Tränen.
Anny stellte ihre Tochter auf den Boden und bückte sich zu ihr auf Augenhöhe hinunter. Sie wischte zärtlich die kugelrunden, durchsichtigen Bällchen von ihren Wangen. „Wie schön du bist, mein Kind“, durchzuckte es sie gedanklich. „Ich bin für fünf Tage in Rom als Übersetzerin, Liebste. Dann komme ich zurück, und wir unternehmen noch etwas gemeinsam in meinen Ferien.“
Emely schaute sie traurig an. „Verreisen wir noch zusammen, Mama?“
„Ja Liebes, wir zwei reisen noch irgendwo hin.“ Anny liebte es, mit ihrer Tochter zu reisen. Die Kleine lebte diese natürliche kindliche Art, die ihr selber oft als Kind abgeklemmt worden war. Durch dies war Anny oft melancholisch und gefühlsmäßig nicht erreichbar für ihre Tochter. Sie erklärte ihr dann, die Melancholie wäre eine Art traurige Musik in ihrem Herzen, die alleine spielen möchte. Emely staunte manchmal über die Wortwahl ihrer Mutter, wie sie ihr etwas erklären konnte. Sie las oftmals heimlich die wunderschönen Lyrikgedichte von ihr. Darin fand sie diese Wortspielereien wieder.
„Rufst du mich an, wenn du in Rom bist, Mama?“
„Ja sicher, meine Liebste.“
Anny strich ihrer geliebten Tochter ihr blondbraunes, gekraustes Haar aus dem Gesicht.
„Deine Nanny ist für dich da, und Amy kocht dir, was du gerne möchtest. Es wird dir an nichts fehlen. Und bitte nicht zu lange draußen im Park mit Sophie herumtollen.“
Charlotta verfolgte den rührenden Abschied zwischen den beiden. Selten hatte sie in ihrer Nanny-Geschichte eine derart feinfühlige Nähe zwischen Kind und Mutter erlebt. Immer wieder wurde sie durch die beiden an ihre eigene Muttergeschichte erinnert. Darin fand eher viel Distanziertes statt.
Emely küsste ihre Mutter auf die Stirn und schaute ihr traurig nach, als sie aus der Türe ging. Charlotta nahm die Hand der Kleinen und ging mit ihr in die Küche. Dort wartete Amy mit einem feinen Frühstück auf die beiden. Amy sah in den Augen von Emely, wie schwer
ihr der Abschied von ihrer Mutter jedes Mal fiel. Ihre Kinder waren schon erwachsen und verheiratet. Sie hatte diese Stelle als Köchin im Hause der Familie Lester vor sechs Jahren angetreten. Sie fühlte sich in diesem Haus glücklich, zumal auch das Mädchen eine große Rolle für sie spielte.
Zu Weihnachten konnten sie sich beide verweilen in der Küche, im stundenlangen Plätzchenbacken. Das Gebäck zu pinseln und zu verzieren bereitete ihnen jede Menge Spaß. Die Küche wurde dann zur Puderzuckerinsel, und bis tief in die Nacht hinein wurden die Plätzchen in den Ofen geschoben. Kleine, mittlere und große Engeldosen warteten darauf, gefüllt zu werden.
Jeder war im Hause Lesters von Emelys Art berührt. Auch Hannah, die Haushälterin, die zweimal in der Woche für die Reinigung des Hauses vorbeischaute, war immer wieder entzückt von ihr. Die Kleine saß dann auf ihrer Trittleiter und erzählte Hannah witzige, erfundene Fantasiegeschichten, während sie den Spiegel zum Glänzen und Lachen brachte.
Emely durfte einen Lehrer zu Hause haben. Dies wollte ihre Mutter so, da sie nur für einen halben Tag in der Woche in eine private Schule musste. Seth Finley kam einen Morgen und einen Nachmittag in der Woche vorbei und unterrichtete das Mädchen. Über Kunst, Philosophie und Geschichte hatten sie beide immer einen regen Austausch. Es stand ihnen ein kleines Atelier zu Verfügung, das ihre Eltern für musische Zwecke eingerichtet hatten. Emely besaß eine große Staffelei zum Malen. Da ihre Mutter ab und zu zeichnete und sie schon als kleines Mädchen mit den Fingern die Farben mischte, schenkte ihre Mutter ihr diese große Staffelei. Überall
im Haus gab es kleine Trittleitern, weil Emely mit ihren zehn Jahren nicht sehr groß war. Auch vor ihrer Staffelei stand eine. Seth liebte es, mit Emely Geige zu spielen. Er hörte, wie sie diese Engelsmusik mit dem Geigenbogen in den Raum strich und sie tief in die wunderbaren Sonaten eintauchen konnte. Sie erzählte ihm, dass die Engel für sie spielen würden, nicht sie selber. Seth hatte an unzähligen Violinenkonzerten mitgespielt, bevor er zu ihr kam. Er war jetzt pensioniert und gab seine große Erfahrung an die weiter, die ihn aufsuchten für privaten Unterricht. Aus diesem Grund landete er bei der Familie Lester und war rundherum zufrieden mit seiner überaus begabten Schülerin. Emely hatte eine hohe Auffassungsgabe. Sie besaß eine kraftvolle Vorstellung von etwas, was sie sah und die anderen aber nicht sehen konnten.
Sie konnte ihm Dinge umschreiben mit einer Wirklichkeit, die ihn staunen ließ. Wenn sie beide Geschichte studierten oder über die Welt philosophierten, wanderten ihre Gedanken weit über den Horizont hinaus. Seth schmunzelte oft. Verspielt ging sie mit ihrer großen Gabe um. Sie konnte ihn aus dem Moment heraus verblüffen mit fantastischen Geschichten. Wenn er zögerte oder ihr etwas nicht glaubte, nahm sie das Blatt und legte es in ihre Staffelei und zeigte ihm die Welt auf mit den Farbtöpfchen. Emely erinnerte Seth schmerzlich an seine Schwester. Auch sie war oft in einer anderen Welt und nannte sie ihren „Wolkentraum“. Einen Wolkentraum, den seine Schwester aus dem Nichts besuchen wollte und nie mehr auf die Erde zurückkam. Er war tieftraurig über den Verlust seiner geliebten Schwester. Emely hatte heute Morgen Unterricht mit Seth. Sie war in ihrem großen Zimmer. Verträumt lag sie am Boden
und spielte mit ihren Glasperlen. Ein Mosaik, das sie mit ihrer Mutter bastelte. Jedes Glassteinlein hatte eine andere Form. Sie hingen an dünnen Drahtsträngen an einem Ring, der an der hohen Decke festgenagelt war. Durch das Bewegen der Glassteine entstanden zarte Töne im Zimmer. Die Melodie hatte etwas sehr Beruhigendes für sie. Ein großes Himmelbett stand mitten im Raum. Voll von kleinen Lichtlein geziert und unzähligen Kissen. Dann gab es kleine und große Spielröhren am Boden, die Emely jederzeit verschieben konnte. Sie versteckte sich gerne darin, um ihre eigenen Labyrinthspiele auszudenken. Schränke, Kisten, Spiegel, eine Riesenschaukel und noch vieles mehr standen im Raum. Ein wunderschönes Zimmer, in dem sie sich am liebsten aufhielt, um ihren Fantasien und Träumen nachzuhängen. Auf dem Stuhl lagen Kleider, die ihre Nanny für sie zurechtgelegt hatte. Als Emely die Strumpfhosen entdeckte, schrie sie laut den Namen von Charlotta. Sophie versteckte sich unter dem Bett. Es war, als würden die Fenster klirren, derart laut ertönte ihr Schrei.
Charlotta kam ins Zimmer gerannt und sah, wie Emely die Strumpfhosen in ihrer Hand hielt.
„Wie kannst du mir sowas hinlegen zum Anziehen, Charlotta?“
„Diese Strumpfhosen sind wie kleine beißende Maschen, die den ganzen Tag an meiner Haut ein Gezicke spielen. Und je mehr ich kratze, desto zickiger ist ihre Antwort.“ Charlotta musste laut lachen. Diese Wortspielereien, die Emely perfekt beherrschte, um etwas zu beschreiben, waren gefüllter fröhlicher Alltag im Hause der Lesters.„Du weißt, dass deine Mutter möchte, dass du diese Strumpfhosen, wenn es kalt ist, anziehst.“
„Meine Mutter ist aber nicht hier, und niemand außer mir weiß, wie sich dieses Beißen anfühlt auf der Haut. Warum muss ich etwas anziehen, was nicht auf meine Haut passt?“
Charlotta wusste, jetzt würde eine Riesengeschichte beginnen, in der sie sowieso verlieren würde. Sie sah in den Augen von Emely, wie ehrlich und kraftvoll ihre Worte waren.
„Also gut, Kleines, du ziehst einfach die Strumpfhosen aus deiner Schublade raus, die dich beißen. Ich gebe sie alle Amy mit für Kinder, die sie vielleicht tragen möchten.“
„Die trägt niemand, Charlotta, glaub mir.“ Sie nahm wütend alle aus der Schublade und legte sie auf einen Haufen.
Emely verstand die Erwachsenenwelt nicht immer. Die hatten immer schon im Kopf, wie gewisse Dinge ablaufen mussten. Sie dachten sich Sachen für ihre Kinder aus, obschon sie gar nicht wussten, ob es den Kindern gefallen würde. „Ihre Pläne und nicht unsere“, dachte sie. An der Schule war es auch oft so. Sie musste Dinge tun, die sie nicht verstand. Das Rebellieren zuhause half ihr oft aus der engen Not raus, um ihrer eigenen verträumten Welt nicht im Wege zu stehen.
Emelys Mutter hatte ein kleines Pensum an der Schule. Sie unterrichtete die Fächer Mathematik und Deutsch. Doch sie wusste, ihre Mutter war anders. Sie übermittelte mit ihrem Herzen und verstand es gut, den Kindern die Zahlen spielerisch aufzuzeigen. Manchmal nahm sie eine kleine Schulklasse nach Hause und verweilte mit ihnen in ihrem großen Park. Ein rätselhaftes Labyrinth befand
sich in der Mitte des Parks. Die Kinder lernten durch die Gartenfelder der Lesters die Magie der Zahlen kennen. Manchmal nur durch das simple Zählen der Gänseblümchen oder das Verstecken in den Irrgärten.
Emely lernte von ihren Eltern, in allem Magisches zu sehen. Die beiden versuchten ihr von klein auf die Sternenbilder des Universums, Spielereien mit Zahlen, Worten und Farben näherzubringen. Durch dies spürte sie oft, dass sie anders war als ihre Mitschüler. Einerseits tat es ihr manchmal weh, wenn sie nicht unter ihnen weilen und beim aktuellen Geschwätz mithalten konnte.
Auf der anderen Seite liebte sie es, mit ihrer Hündin durch den Park zu tollen. Sie versteckte sich im Labyrinth, und Sophie suchte sie. Ihr Vater hatte diesen bezaubernden Park kreiert. Er war fasziniert von Labyrinthen. Ausgänge, Eingänge immer abwechselnd sich suchend im Spiel. Linien, die ihre Richtung plötzlich änderten, und wieder entstand ein neues Rätsel. Auch gab es viele kleine Irrgärten hinter dem Haus, in denen sich Emely schon oft verlaufen hatte. Ihr Vater zeigte ihr, dass Irren menschlich ist, wenn sie beide lachend nicht mehr aus dem Irrgarten herausfanden. Er meinte, dass Sackgassen und Irrungen zum Leben gehören. Wenn er anwesend war, hielten sie sich oft in diesen Labyrinthen auf und versteckten sich. Etwas Magisches lebte um das Haus und im Haus der Familie Lester. Jeder fühlte sich sehr wohl, wenn er in diese magische Nähe kam.
Emely war angezogen und wartete mit Sophie im Atelier auf ihren Unterricht. Sie holte schon mal geschickt ein großes weißes Blatt aus der Kommode und klebte es auf die hölzerne Unterlage. Sie kletterte auf die Leiter und legte das schwere Blatt auf die Staffelei.
Geschickt hielt sie ihre Farbtöpfchen bereit und auch alle Pinsel, die sie heute ansprachen. Sie erklärte Seth immer wieder, dass die Pinsel über eine eigene Stimme verfügten und wie sie geführt werden wollten. Für Seth war der Malunterricht mit ihr jedes Mal eine Fantasiereise. Auch wenn er unzählige Male über verschiedene Farbenlehren erzählte, hatte dies null Bedeutung für Emely. Er ließ sie ihren Zauber aus den Farbtöpfchen malen. Sie wünschte sich ab und zu eine Geschichte von einem Malkünstler, weil er diese Geschichten alle sehr spannend erzählen konnte.
Heute jedoch hatte Seth kurzfristig den Unterricht abgesagt, weil er krank war.
Charlotta überbrachte Emely die Nachricht. Sie war erstaunt, denn nie zuvor war Seth erkrankt. „Hat er dir gesagt, was er hat?“
„Leider nein, meine Liebe“. Da sie alles schon fertig aufgestellt hatte zum Malen, entschied sie sich, alleine weiter zu zeichnen. Sophie lag ja auch noch im Atelier. Charlotta ging wieder, weil Emely allein sein wollte. Nachdenklich, was wohl mit Seth war, strich sie die Farben auf ihr Blatt.
Sie vermischte eine Farbe mit viel Wasser, weil sie wusste, dass durch diese Mischung die Farbe eine Art Durchlässigkeit erhielt, wenn sie auf dem Blatt erschien.
Immer wieder erzählte sie auch ihrer Mutter, dass es nicht die schweren Ölfarben brauche, um etwas mit Konturen sichtbar zu machen. Ihre Mutter antwortete ihr immer, dass sie die Farben viel besser verstehe als sie, da sie die Gabe hätte, die Stimmen der Farben zu hören. Schon als kleines Mädchen habe sie eine Sprache aus einer anderen Welt mitgebracht.
Tairj und Athru schauten sich die Zeichnungen an, die Norick von der Wand weggenommen hatte.
Er wird sich wohl seiner Tochter stellen müssen, dachten die beiden Wesen.
Sie bekamen neue grosse Lichtaufträge, um den Plan weiter fortzusetzen.
Ein grosses Wesen erwartete sie alle im Atelier. Sie verbeugten sich sofort vor ihm.
„Ich musste aussteigen aus ihrem Blatt. Wenn Emely jetzt zurückkommt, beginnt das Chaos erst richtig.“
„Keine schlechte Lichtarbeit, ihr Lieben“, meinte er neckisch und schaute sich im Raum um.
Sein Stern tauchte immer wieder runter zur Erde. Durch dies konnte er wunderbar seine irdische Gestalt bewahren. Die Erscheinung seines Wesens war vergleichbar mit einem Erdenmann.
Den Lichtwesen möchte er die irdische Seite näherbringen, damit sie ihre Arbeit noch effizienter vollbringen können. Sein Licht besass sonnige und erdige Anteile. Geschickt knüpfte er beide Arten miteinander zusammen, damit sich die Seiten verstehen konnten.
Alle warteten gespannt auf Emely.
Er überflog liebevoll für sich ein paar Szenen von ihr. Sie zeigte sich ihm jedes Mal als eine starke, eifrige Persönlichkeit, die wusste, was sie wollte. Und doch brauchte sie noch viel Unterstützung von den Lichtwesen, um ihrer wahren Bestimmung zu folgen.
„Die neuen Wesen landen hier immer ein wenig erhaben“, sagte Tairj zynisch.
Er bewegte sich auf sie zu. Sie öffnete zugleich ihr Lichtkleid, damit sie ihn sofort in ihre zarte Schleife hineinziehen konnte.
Athru und Bolg schauten dem kleinen Machtspiel liebevoll zu.
„Du hast den Vorteil, dass du grosses Erdenwissen in dir trägst“, sagte sie zu ihm.
„Und doch sind die Erdlinge jederzeit zum Kippen bereit wie die Segelboote. Nie weisst du, auf welche Seite sie steuern.
Uns wird viel Arbeit erwarten, da wir sämtliche Gespräche nach oben senden müssen“, dies zu deiner Information.
„Vor vielen Jahren, als die Erde noch nicht so dicht besiedelt war, konnten wir uns viel mehr ausruhen“, begann das erdige Wesen weiter zu erzählen.
„Sie war zufriedener und geselliger mit den anderen Planeten.
Heute beklagt sich jeder bei uns oben über die Erde. Wir sind Auserwählte, die dem Planeten helfen müssen. Ich weiss nicht, ob das Wissen ausreicht, liebe Gefährtin.
Die grossen Naturwesen spielen auch immer wieder dazwischen, weil sie diese erdigen Zustände nicht mehr tragen möchten.
Mal brausen sie mit viel Bewegung auf, weil sie das Wasser auf diese Art in Turbulenzen bringen wollen und somit auch die Häuser der Erdlinge. Dann wieder drehen sie ihre Hügel um die eigene Achse und überschütten ganze Gebiete in der Natur mit Steinen oder was sich ihnen gerade in den Weg stellt.
Ich werde euch noch viel deutlichere Zusammenhänge erzählen. Das Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch
muss in Ordnung kommen, sonst wird das Chaos noch grösser.
„Habt ihr eigentlich Namen bekommen, ihr drei?“, fragte er sie liebevoll.
„Tairj, Athru und Bolg. Du wirst deinen Namen sicher auch bald von Emely erfahren“, antwortete Athru ihm.
„Die Lichtstation ist seit dem Erwachen vom ersten Landwesen in Paris voll von Informationen.
Wir könnten uns mit seinem Kanal verbinden, um das Gespräch durch uns gehen zu lassen. Was meint ihr?“ fragte Athru.
„Ich werde euch gleich zeigen, wie die Kanäle nach oben zu öffnen sind“, strahlte Tairj sofort.
„Lasst uns alle in einem Kreis stehen. Dann öffnet ihr euer Licht nach oben und wartet, bis ein Zeichen kommt. In diesem Moment werdet ihr verbunden mit wem ihr möchtet. Da ich in seinem Auge verweilte, habe ich sein Licht mit meinem Kanal zusammengeführt. So bin ich blitzschnell bei ihm.“
„Du vollbringst eine wunderbare Arbeit“, sagte das erdige Wesen zu ihr. Ich fühle deine bedingungslose Liebe für alles. Ein wunderschönes Wesen bist du.“
„Wenn du deinen Auftrag in Liebe ausführst, erreichst du das Licht, erdiges Wesen. Sei nie an etwas gebunden und erfülle stets im Dienst unseres Kosmos. Auf diese Art wird deine Energie klarer und zeitloser im Himmel. Dieses Gefühl auf die Erdlinge zu transportieren, ist wunderschön. Auch wir müssen unsere Prüfungen bestehen und dürfen dem Schwierigen nicht ausweichen. Nun lassen wir unser erstes Landwesen sprechen.“
Tairj verneigte sich mit ihren Worten vor ihren Freunden.
„Wann darf ich meinen Kopf drehen?“, hörten sie das Wesen mit seinen deutlichen Worten.
„Ein bisschen musst du dich noch gedulden. Wir brauchen alle Landwesen, um die Erde in eine neue Schwingung zu erhöhen.“
„Ich dachte, ihr würdet nicht mehr kommen, so fest bin ich eingeschlafen. Tief versunken in meine Traurigkeit wollte ich gar nicht mehr aufwachen. Und jetzt bin ich hellwach und würde am liebsten meinen Kopf einfach umdrehen.
Aber ich warte noch auf die anderen Landwesen.
Wie konnte ich mir nur diese Bestimmung aussuchen? Was habe ich damals studiert, als ich ja dazu sagte? Vielleicht könntet ihr mir helfen bei den Antworten auf meine Fragen.
Ich finde es langweilig, ein Landwesen zu sein, ohne sich nur ein bisschen bewegen zu dürfen.“
Seine Stimme tönte traurig zu den kleinen Wesen.
Tairj versuchte mit ihm einen kleinen Anfang.
„Wenn jeder genau wüsste, liebes Landwesen, was auf uns zu kommt, könnte doch gar nichts bestehen auf der Welt. Dann würde sich jeder irgendwo im Universum verstecken und einfach nichts tun.
Stelle dir unsere Sterne und Planeten vor. Alle würden gleich funkeln und leuchten. Keiner wäre voll von Licht und Informationen. Den Planeten würde es an ihrer Intelligenz fehlen, und die Erdlinge existierten gar nicht.“
„Du kannst gut formulieren, Tairj. Doch die Wahrheit ist, dass wir Landwesen am meisten Arbeit von allen haben. Wir tragen Millionen von Erdlingen auf unserem physischen Körper. Es fühlt sich sehr schwer an, dieses Tragen.“
Nun meldete sich auch das erdige Wesen zu Wort.
„Ich kann dir alles wunderbar nachfühlen, da ich diese irdischen Sachen ein wenig kenne. Wir müssen miteinander einen Weg finden, damit ihr alle wieder leichter werdet, wenn ihr die Erde tragt.
Das Licht wird dir eine neue Einstellung bringen für deine Bestimmung, daran glauben wir alle fest.“
„Wir sind bereit, in dein Gedankengut einzudringen“, sagte Athru. Mit dem Licht lösen sich langsam deine schweren Gedanken auf. So in etwa geschieht unser Lichtauftrag an die Landwesen.“
„Das sind ja Erdlinge, meine Gedanken. Also verschwinden die alle plötzlich? Oder wie muss ich das verstehen?“, fragte das Landwesen mit bedrückter Stimme.
Tairj übernahm wieder das Wort:
„Wenn wir in deinem Gedankengut Lichtarbeit leisten, werden die Erdlinge getroffen vom Licht. Das siehst du richtig. Doch jeder Mensch ist für sich selber verantwortlich, liebes Landwesen.
Dein Verstand wird heller und leichter in diesem Prozess. Jene, die nicht mitschwingen können in diesem neuen Licht, werden zurückgeführt auf ihren Ursprungsstern und beginnen ihre Reise nochmals.
Dann gibt es solche, die unser Licht vertragen. Sie helfen dir, weiterzureisen.“
„Von wo seid ihr eigentlich? Und warum taucht ihr erst jetzt auf, Tairj?“, fragte das Wesen.
„Im Universum gibt es einen grossen Plan, und wir sind daran beteiligt. Das Ursprungslicht bestimmt den Zeitpunkt. Daran kann keiner etwas rütteln. Ausser wir steuern nach unserem freien Willen.
Unser Lichtweg haben wir längst erkannt, und lassen uns wunderbar führen vom Licht und dem Vertrauen.“
„Irgendwie finde ich euch zu intelligent oder ihr seid mit eurer Zeit nicht in meiner.
Wo ist eigentlich das kleine Mädchen, wie hiess sie noch? Ah, Emely! Wo ist sie? Ich möchte mit ihr sprechen. Sie sass gemütlich auf meinen Wimpern und hörte mir einfach zu.“
Tairj spürte, wie unendlich traurig das Landwesen war. Sie schickte ihm viel Zärtlichkeit durch ihren Kanal und empfand ein starkes Verständnis für ihn. Die Lichtwesen brauchten viel Arbeit und Gespräche mit den Landwesen, bis sie auf die gleiche hohe Schwingung kamen.
„Du kannst dir ein paar Träume von mir borgen. Wenn du schläfst und träumst wird oft alles schöner, liebes Landwesen. Möchtest du ein paar Träume?“ fragte Bolg schüchtern.
„Zuerst möchte ich mit Emely sprechen. Dann werde ich entscheiden, was ich will und was nicht“, gab ihnen das Landwesen deutlich zur Antwort.
Athru gab allen ein Zeichen, den Kanal abzubrechen. Sie verneigten sich vor dem Wesen und kamen wieder zurück.
„Bis wir alle geweckt, getröstet und aufgebaut haben, wird es viel Lichtarbeit geben“, sagte das erdige Wesen nachdenklich.
„Wir sind aber nicht allein unterwegs. Die Lichtschiffe und sämtliche Planeten helfen uns für diesen Aufstieg.
Es gibt für uns bereichernde Gespräche, die wir uns nicht entgehen lassen wollen.
Soll jeder erzählen, wie er sich fühlt, oder?“, fragte Tairj die drei Wesen.
„In unserem Plan wird niemand leiden. Im Gegenteil, jeder wird ein neues Gedankengut erreichen können, durch seine eigene Schwingungserhöhung“, meinte sie nachdenklich.
Als die Wesen draussen ein Auto hörten, flogen sie sofort ans Fenster.
Endlich war Emely wieder zuhause. Sie freuten sich fest, so dass sie sich überlegten, wie sie ihr Ankommen feiern konnten.
Tairj rief alle Wesen zusammen und flüsterte ihnen, was sie zu tun hatten.
Emely kam erleichtert die Türe hinein und freute sich unglaublich auf ihr Zuhause. Sofort rannte Sophie an ihr hoch.
Norick hatte die beiden Frauen am Bahnhof abgeholt. Er spürte, dass sich Anny verändert hatte. Auch seine Tochter zeigte sich ihm gegenüber komisch.
Er dachte, vielleicht sind sie einfach müde vom Reisen.
Morgen wird wieder alles im üblichen Alltag sein.
„Ich möchte einen Moment allein nach oben gehen“, erklärte sie ihren Eltern.
Sie spazierte die Treppe hinauf und ging in ihr Zimmer. Zu ihrem Erstaunen bildeten die Wesen mit ihrem Licht ein grosses Herz im Raum. Alle verneigten sich vor ihr. Tairj, Bolg und Athru freuten sich am meisten. Neben ihnen entdeckte sie erstaunt ein neues Wesen.
„Herzlich willkommen zuhause, Emely. Wie war die Reise? Geht es dir gut?“, fragte Bolg ganz neugierig und hüpfte auf ihre Schulter.
„Schön, dass du wieder bei uns bist“, lächelte Tairj.
Sie setzte sich auf ihr Bett und musste lachen.
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